Projektdarstellung
Ziele:
Funkkommunikation hat eine wichtige Rolle in der Schifffahrt. Besonders im Notfall ist eine schnelle und einfache Verständigung zwischen Offizieren an Bord und Verantwortlichen in Koordinationszentren an Land von entscheidender Bedeutung. Das in diesem Kontext eingesetzte UKW-Funkgerät ist eine sicherheitsrelevante Komponente an Bord eines Schiffes und gehört zur Ausrüstungspflicht. Diese Kommunikationstechnologie hat sich über Jahrzehnte bewährt, hat aber auch ihre Tücken: Die Qualität der übertragenen Nachrichten schwankt je nach Entfernung zwischen Sender und Empfänger sowie der Höhe der verwendeten Antennen erheblich und kann durch die vorherrschenden Wetterbedingungen weiter beeinträchtigt werden. Motorengeräusche an Bord und multinationale Besatzungen, die in unterschiedlichen Akzenten und Dialekten sprechen, erschweren das Verständnis der empfangenen Nachrichten zusätzlich.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, hat das Fraunhofer CML die Spracherkennungstechnologie marFM® entwickelt. Diese vereinfacht die Funkkommunikation durch zwei wesentliche Komponenten:
- Funksprüche werden durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verlässlich transkribiert. Auf dieser Basis lassen sich Missverständnisse schneller identifizieren und Informationen leichter nachvollziehen. Der Funkverkehr wird insgesamt chronologisch dokumentiert, was die nachträgliche Einsicht von Gesprächsverläufen ermöglicht.
- Durch den Einsatz von Funkpeilung und innovativer Lokalisierungsalgorithmik können die Absender von Funksprüchen geortet und identifiziert werden. Verantwortliche Offiziere erhalten so verständlich und übersichtlich alle Informationen darüber, wer was wann von wo gesendet hat und können auf diese Weise schneller und vorausschauender agieren.
Neu: marFM® mobile
Die Lösung marFM® mobile ist eine Weiterentwicklung von marFM® und schließt die letzte analoge Brücke an Bord, indem die Applikation auf dem Smartphone des Skippers verfügbar ist. Die App ist demnächst als Download für Android und iOS verfügbar, transskribiert und speichert Funksprüche in Echtzeit und mit einem Zeitstempel. So ist maritime Kommunikation nachvollziehbar und nachverfolgbar, was sowohl in kritischen Situationen als auch im maritimen Sport bislang nicht möglich ist. Die anschließende Analyse der automatischen Dokumentation eröffnet darüber hinaus neue Möglichkeiten, aus Einsatz- und Kommunikationsabläufen für die Zukunft zu lernen.
Projektgegenstand:
Künstliche Intelligenz für maritime Spracherkennung: Unsere Lösung ist speziell entwickelt und optimiert für die akustischen und sprachlichen Herausforderungen maritimer Funksprüche, beispielsweise schlechte Audioqualität, multinationale Besatzungen mit unterschiedlichen Akzenten und Dialekten, Verwendung von Standard Marine Communication Phrases (SMCP) sowie Schiffsnamen. marFM® wandelt eingehende Funksprüche automatisch in Text der gesprochenen Sprache um.
Rolle des CML in marFM® und marFM® mobile:
Um diese Herausforderungen zu meistern, haben wir am Fraunhofer CML den maritimen Spracherkenner marFM® entwickelt – ein ergänzendes Hilfsmittel zum herkömmlichen UKW-Funk. Es unterstützt Funkoperatoren im täglichen Betrieb, wenn Kommunikationsprobleme auftreten, und spart zudem Reaktionszeit in kritischen Situationen.
Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen